Hessische Theatergespräche
Jung und engagiert - woher kommen die TheatermacherInnen von morgen?Ausgabe #3 mit Professor Heiner Goebbels und Matthias Faltz. Moderation: Prof. Wolfgang Schneider
Antú Romero Nunes, erst vor einigen Monaten von der Zeitschrift »Theater Heute« zum Nachwuchsregisseur des Jahres 2010 gekürt, legte seine Diplominszenierung an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin vor. Jette Steckel, die die Ehrung einige Jahre vor Nunes erhielt, studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Und David Bösch, der 2006 mit 28 Jahren sowohl den Nachwuchspreis der Salzburger Festspiele einheimste als auch für den renommierten Nestroy-Theaterpreis nominiert wurde, kommt von der Hochschule Musik und Theater Zürich. »Ernst Busch«, Hamburg, Zürich: Lauter junge Shooting Stars, lauter altehrwürdige Kunsthochschulen. Geht der Trend im deutschen Nachwuchstheater hin zur Kaderschmiede?
Wer den Blick aus der Ferne in die nächste Nachbarschaft richtet, der wird sich rasch eines besseren besinnen. Die Gießener Justus-Liebig-Universität ist zwar auch schon über 400 Jahre alt. Das an ihr beheimatete Institut für Angewandte Theaterwissenschaft produziert nun aber schon seit geraumer Zeit TheatermacherInnen, die die etablierten Kategorien des Theaterbetriebs gehörig durcheinander wirbeln. Ob Gruppen wie Rimini Protokoll, ältere Jahrgänge wie René Pollesch oder die jüngsten Generationen, die seit neuestem auch in Marburg die Theaterwelt unsicher machen: was die Gießener auszeichnet, ist vor allem, dass sie herkömmliche Unterscheidungen zwischen Theorie und Praxis, Kunstform und Kopfgeburt, freien Wilden und Staats-Regie-Theater mit viel kreativer Energie unterlaufen. Und auch aus anderen Ecken der Republik, zum Beispiel aus Hildesheim, tauchen immer mehr junge Kulturpraktiker und Theaterkünstler auf, die interdisziplinäre, erstklassige Arbeiten hinlegen, ohne jemals eine sogenannte »klassische Ausbildung« absolviert zu haben.
Aber vielleicht gibt es ja so etwas schon längst nicht mehr? Auch die altehrwürdigen Talentschmieden gehen schließlich mit der Zeit, und die Grenzen zwischen freier Szene und Stadttheater-System sind zumindest in der künstlerischen Praxis durchlässiger geworden. Was müssen junge Theatermacher heute können, und wo können sie es lernen? Wonach halten Intendanten Ausschau, und was bekommen die Jungen von den Meistern des Fachs mit auf den Weg? Mit diesen Fragen werden wir uns in der dritten Ausgabe der Hessischen Theatergespräche am 12. Januar 2011 auseinandersetzen.
Zu Gast beim Marburger Intendant Matthias Faltz ist Heiner Goebbels, international ausgezeichneter Musiker, Komponist, Regisseur und seit 1999 Professor am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft. Das Gespräch moderiert wie stets Professor Wolfgang Schneider, geschäftsführender Direktor des ersten und bislang einzigen deutschen Lehrstuhls für Kulturpolitik und Kulturmanagement an der Universität Hildesheim.
Der Eintritt ist frei. Junge TheatermacherInnen aus Marburg, Gießen und Umgebung sind besonders herzlich zur Teilnahme eingeladen.
Premiere 12.01.2011